24. September 2026

Univ.Prof.in Dr.in med. univ. Monika Glawischnig-Goschnik

Ärztin, Psychotherapeutin, Musiktherapeutin. Professur Musiktherapie, Kunstuniversität Graz. Reiterkaserne, Leonhardstraße 82-84, A-8010 Graz.

Ich bin seit dem Wintersemester 2022_2023 hier an der Kunstuniversität Graz (KUG), Österreich, Professorin für Musiktherapie. Davor war ich 25 Jahre lang als Ärztin im psychosomatischen Konsiliardienst am LKH- Universitätsklinikum in Graz an der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie tätig. Ich war für die (vor allem psychotherapeutische) Betreuung und Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen zuständig, vor allem auch für onkologische Patient*innen. An unserer Klinik entstand im Jahre 2001 eine interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft „Spiritualität im Krankenhaus“, die ich über 20 Jahre leiten durfte. Wir haben zahlreiche Fortbildungen und 3 sehr schöne Tagungen organisiert, die AG gibt es immer noch und ich nehme auch immer noch an den Sitzungen teil. Die Begleitung von kranken und vor allem auch von schwer kranken Menschen ohne Mitdenken der „spirituellen Dimension“ ist für mich undenkbar. Spiritualität und Religiosität sind für viele Menschen wichtige Ressourcen und Kraftquellen, es geht natürlich nicht darum, Menschen zu „missionieren“, oder zu „bekehren“, oder „Schuld“ zu finden, als Ursache für Krankheit.

Krankheiten und Kranksein sind immer und für jeden Menschen sehr herausfordernde Themen, Betreuung und Begleitung müssen „ganzheitlich“ angeboten werden, ich habe dazu in SPIRITUAL CARE 2024 im Themenheft „Musik, Therapie und Spiritualitäten“ einen Text veröffentlicht mit dem Titel „Warum wir ein bio-psycho-sozio-öko-spirituelles Modell brauchen“, in dem die spirituelle Dimension explizit mitgedacht ist. Außerdem denke ich, dass wir in Ergänzung zu unserer derzeit so wichtigen „Evidence Based Medicine“ eine „Resonance Based Medicine“ brauchen, die auch dem leibhaftigen Subjekt eine deutliche Stimme gibt und Diagnostiken und Therapien „auf Augenhöhe und intersubjektiv“ verhandeln und „Resonanzräume“ auch für Unaussprechliches und Unausgesprochenes anbieten kann. Wir werden in Graz an der KUG dazu im April 2027 eine Tagung veranstalten mit dem Thema: “Heilkunst“- Nachdenken über eine Resonance Based Medicine (siehe dazu imig.kug.ac.at/lifelong-learning/studien-lehrgaenge/musiktherapie). Oft denken Patient*innen ja, Spirituelles, Religiöses und „Glaubensfragen“ sind im medizinischen Kontext nicht erwünscht. Deshalb müssen wir professionellen Helfer*innen explizit die Themen an- und aussprechen, nachfragen, gut zuhören, auch eine spirituelle Anamnese erheben und dann vielleicht auch den Kontakt zur Seelsorge anbahnen, wenn wir selbst aus zeitlichen, inhaltlichen oder sonstigen Gründen nicht hilfreich sein können. Sehr bewährt haben sich interdisziplinäre Teambesprechungen, in denen auch die Seelsorger*innen anwesend sind.

Ich war schon bei der Gründungstagung der IGGS dabei, bin also seit Anbeginn Mitglied und unterstütze die Themen gerne und in jeder mir möglichen Weise.

Auch eine Masterarbeit Musiktherapie an der KUG hat sich diesem Thema gewidmet und die Spiritualitäten von Musiktherapeut*innen in Österreich untersucht (Seebacher, 2026).

Die Definition von Spiritualität ist nach wie vor sehr herausfordernd, lieber sprechen wir ja von „Spiritualitäten“, um auch das Subjektive und die unterschiedlichsten Konzepte und Ideen herauszustreichen.

Auch in unserer Arbeitsgemeinschaft haben wir dazu viel diskutiert und verschiedene Definitionen zusammengetragen, meine liebste ist nach wie vor ein Zitat von Eckhard Frick, der es aber auch von Schultz übernommen und weiterentwickelt hat: „Meine Spiritualität ist die Haltung, in der „ich mich atmen lasse““(Schultz,1936, zitiert nach Frick, 2009, S.226). Mir persönlich ist ganz besonders wichtig, das „Vorher“ und „Nachher“ mitzudenken, also das „vor mir“ und „nach mir“, das „vor uns“ und „nach uns“. Ich bin unendlich dankbar für „das Leben“, über das ich tagtäglich staune, und oft bin ich unendlich traurig über verschiedenste Entwicklungen, die „das Lebendige“ missachten.

Auf das “nach mir“ bin ich gespannt.

Quellen: Frick, E. (2009). Psychosomatische Anthropologie. Kohlhammer. Glawischnig-Goschnik, M. (Heftredaktion) (2024). Musik, Therapie und Spiritualitäten. Spiritual Care 13 (4). De Gruyter. Seebacher, M. (2026). Zwischen Therapie und Transzendenz: Spiritualität im Kontext von Ausbildung, Beruf und persönlichem Leben österreichischer Musiktherapeut*innen. Graz, KUG, Masterarbeit Musiktherapie.

Mitgliederversammlung

Informationen zur Mitgliederversammlung werden noch bekanntgegeben. Eine IGGS-Tagung findet in 2027 nicht statt.